Was Sie als Segelboot-Skipper wissen sollten.
In diesem Artikel möchten wir Ihnen Lust machen, öfter einmal den Anker herauszuholen, denn der Bodensee bietet einige wunderschöne Ankergründe für Genießer! Auch wenn unser schönes Revier nicht als „Ankerparadies“ gilt, weil er vorzugsweise ein steil abfallendes Ufer und damit eher eine vergleichsweise begrenzte Auswahl an Ankergründen bietet, sind die Locations, bei denen Sie ankern können, umso atemberaubende! Probieren Sie es aus, es lohnt sich absolut!
Warum Ankern zu den Highlights beim Segeln gehört.
Die unbestritten schönsten Momente an Bord Ihres Bootes genießen Sie vor Anker. Ganz romantisch, sanft in den Wellen wippend, ist es für Sie „draußen“ über Nacht viel ruhiger und intimer, als in jeder Hafenbox. Von hier aus haben Sie einen fantastischen Blick auf die funkelnden Lichter am Ufer – oder genießen einen atemberaubenden Sternenhimmel.
Solange es Boote und Schiffe gibt, werden diese bei fehlenden Steg- oder Hafenanlagen mit einem Anker vor dem Ufer „festgemacht“. Ankern gehört zur Segelei, wie das Segeln selbst. Viele Anfänger haben noch etwas Respekt davor, aber Sie werden sehen, dass es nicht nur viel einfacher ist, als Sie denken, sondern auch jede Menge Spaß macht! Ob für ein paar Stunden zum Baden oder für das Onboard-Picknick, oder eben über Nacht: Beim Ankern können Sie Ihr Boot noch einmal von einer ganz besonderen Seite erleben und die Vorzüge des Reviers ebenso.
Beim Ankern auf dem Bodensee – und das lernen Sie auch beim Bodensee-Patent – gibt es allerdings einige Regeln zu beachten. So dürfen Sie an einer Stelle nur maximal 24 Stunden liegen. Innerhalb unserer Bodensee-Uferzone (also 300 Meter vom Ufer entfernt) ist das Ankern fast überall nicht gestattet (außer es ist eben explizit erlaubt). Daher lohnt es sich, immer die aktuellsten Seekarten vom Bodensee auf Ihrem Kartenplotter zu laden oder explizite Anker-Führer dabeizuhaben.
Achtung: Auch wenn „alte Hasen“ Ihnen dazu raten, aufgrund begrüßenswerter strenger Umweltauflagen sind mittlerweile die „Geheimtipps“ wie Reutiner Bucht, Schachener Bucht und Bereiche bei Lindau und der Wasserburg saisonal oder ganzjährig gesperrt. Gleiches gilt für den Markelfinger Winkel bei Radolfzell, der früher sehr beliebt war, aber seit 2023 aus Naturschutzgründen nun verboten ist. Dennoch bietet der Bodensee jede Menge größere und kleinere, versteckte Buchten! Es lohnt sich, die Augen offen zu halten.
Die besten Anker-Gründe am Bodensee
Der Bodensee bietet einige wunderschöne Ankerreviere: Die Gül bei Mainau ist dabei der unangefochtene Klassiker und fast immer eine sichere Bank bei typischem Westwind. Am besten, Sie starten Ihre ersten Anker-Übernachtungen hier. In angenehmer Nachbarschaft zu den anderen Ankerliegern können Sie sich einige Tricks abgucken. Vielleicht entsteht auch die eine oder andere Bord-Freundschaft? Denn hier dürfen Sie auch über Nacht bleiben. Nach der Ankunft entdecken Sie die wunderschöne Insel. Wichtig: Ankern Sie hier stets innerhalb der 6-m-Tiefenlinie! Respektieren Sie bitte unbedingt den Naturschutz. Bei Ostwind kann es allerdings eher unruhig werden, prüfen Sie daher genau die Wetter- und Windvorhersagen.
Ebenfalls sehr beliebt, allerdings ein Tagestörn von unserem schönen Bodan-Hafen entfernt, ist der Konstanzer Trichter. Ein sehr beliebtes Ankerrevier und im Sommer bisweilen etwas voll. Der Ankergrund befindet sich ganz zentral vor Konstanz, mit einem atemberaubenden Ausblick auf die schöne Stadt! Hier liegen Sie geschützt selbst bei starken Westwinden. Ankerns Sie auch hier innerhalb der 6-m-Linie, wobei Sie tunlichst darauf achten sollten, die Hafeneinfahrten nicht zu behindern. Wenn Sie das Feuerwerk beim Seenachtsfest vom Wasser aus genießen wollen, müssen Sie sich hier früh einen Ankerplatz sichern: Dann wird das Erlebnis aber garantiert unvergessen sein!
Die Fußacher Bucht auf der österreichische Seite bei der Rheinmündung ist ebenfalls ein sehr beliebtes Ankerrevier. Hier kann man perfekt Baden und auch Übernachten. Man liegt ruhig und geschützt und kann ganz besonders die schöne Alpen-Natur genießen. Wer den Reichtum des Bodensees an verschiedenen großen und kleinen Vögeln interessant findet, der wird hier voll auf seine Kosten kommen! Besucher sollten hier unbedingt Rücksicht auf die sensiblen Naturschutzgebiete nehmen und strikt die 50-m-Sperrzone zum Schilf einhalten! Fahren Sie langsam in Ufernähe, um Wellenschlag zu vermeiden. Ein idealer Ankergrund, wenn Sie Ruhe nach dem Trubel eines Stadtbesuches suchen.
Last but not least, möchten wir Ihnen die Bauernbucht im Untersee bei Reichenau empfehlen. Diese liegt absolut idyllisch und verwöhnt Sie mit traumhafter Natur. Ihre Yacht liegt hier geschützt vor Westwind. Besonderes Highlight ist an klaren Abenden ein beeindruckend schöner Sonnenuntergang, bei dem sich die ruhige Natur am besten genießen lässt. Wer eine entspannte Nacht in vollkommener Ruhe sucht, der hat hier die beste Chance.
Sie sehen, der Bodensee bietet dann doch so einige Optionen, um die Ankerwinsch an Bord anzuschalten. Auch wenn der Bodensee allgemein als „Badewannen-Typ“ gilt, also ein eher tiefer See ist mit stark abfallendem Ufer und damit eher wenigen Anker-Revieren, so gibt es dann doch überall schöne Ausnahmen. Weitere Ankergründe, die wir empfehlen möchten, ist die Ermatinger Bucht oder Mammerner Bucht auf der Schweizer Seite und der Bereich zwischen Bodman und Wallhausen am Überlinger See, wo ebenfalls tolle, ruhige Nächte möglich sind.
Ankern für Anfänger: So gelingt es!
Haben Sie keine Angst vor dem Ankern! Es ist einfacher, als Sie denken. Grundsätzlich ist jede BENETEAU Segelyacht ab 30 Fuß bereits im Standard mit einem Delta-Anker und ausreichend Kette sowie Ankerleine ausgerüstet. Ab OCEANIS 34.1 und größer ist zudem eine elektrische Ankerwinsch bereits im Basisboot enthalten, die Sie beim Ankern vorn auf dem Bug stehend bedienen können. Auch wenn Sie per Zusatzoption eine Anker-Bedienung von Achtern aus hinzubestellen können, möchten wir Ihnen empfehlen, immer von vorn am Bug stehend zu ankern: Gerade bei Welle kann der schwere Anker ins Schwanken geraten und den Rumpf beschädigen. Besser und sicherer ist die Ankerbedienung von vorn aus.
Am besten geht es so:
- Nähern Sie sich langsam dem Ankergrund, die Segel sind natürlich schon längst unten. Sie fahren dabei gegen den Wind an den Ankerplatz heran. Orientieren Sie sich auch an anderen Ankerliegern vor Ort.
- Wenn Sie den Punkt erreicht haben, an dem Sie ankern wollen, stoppen Sie auf. Per Knopfdruck lassen Sie den Anker nun ab, bis er den Ankergrund berührt. Sobald von vorn die Bestätigung kommt, dass der Anker am Grund ist, legen Sie den Rückwärtsgang ein.
- Dampfen Sie langsam rückwärts während (!) weiter Kette gegeben wird. Wenn etwa 5-8 m Kette abgewickelt sind, die Winsch stoppen – das Boot dampft weiter rückwärts. Nun wollen wir den Anker in den Grund „eingraben“. Achten Sie darauf, dass sich die Kette nun strafft. Wenn von vorn die Bestätigung kommt (und das Boot evtl. anhält, anruckt oder sich nicht mehr zurück bewegt), ist der Anker eingegraben und hält.
- Nun dampfen sie weiter zurück während Kette abgespult wird. Wieviel Kette? Die alte Regel „Ankertiefe x 3“ bei kaum Wind, „x 4-5“ bei mäßigen Wind (oder wenn Sie über Nacht bleiben wollen) und „x 7“ bei erwartbarem Schwerwetter. Unser Tipp: Damit Sie nicht nervös sind und nachts gut schlafen können, geben Sie einfach so viel Kette wie möglich. Denn: Ihre Yacht wird nicht vom Anker gehalten, sondern von der Masse und der Reibung der Kette auf dem Grund! Je mehr Kette, desto weniger die Chance, dass sich das Boot losreißen kann.
- Achten Sie auf Ihren Schwoienkreis: Das ist der Radius um den Anker herum, den Ihr Boot hin- und herwanken wird oder sich komplett drehen wird, wenn der Wind die Richtung ändert. Der Schwoienkreis sollte nicht über andere Yachten vor Anker hinausgehen!
- Aktivieren Sie die Ankerwache auf Ihrem Kartenplotter: Das ist eine tolle Funktion, die per GPS Ihre Position überwacht. Sollte sich der unwahrscheinliche Fall ergeben, dass sich das Boot losreißt und Sie anfangen zu treiben, schlägt der Plotter Alarm. Nachts nicht das weiße Rundum-Ankerlicht vergessen, tagsüber sollte der schwarze Ankerball gesetzt sein.
Und nun: Viel Spaß in Ihrem Anker-Revier: Sie werden sehen, dass es eine ganz neue, unvergessliche Erfahrung ist!
Und wie geht es am nächsten Morgen wieder ankerauf? Das ist noch einfacher: Ihre Yacht wird sich immer in die Windrichtung drehen und vor dem Wind „hin- und herschwoien“. Damit ist der Kurs schonmal gesetzt. Sie bereiten Ihr Boot wie gewohnt vor und können die Segel klar zum Setzen machen. Starten Sie den Motor und dampfen Sie langsam (!) in den Wind. Gleichzeitig wird per Fernbedienung die Ankerwinde aktiviert und die Kette aufgespult.
Achtung: Überfahren Sie nicht die Kette! Die Bedienung am Bug sollte Ihnen per Handzeichen anzeigen, wann Sie Fahrt rausnehmen und wann nicht. Viel Gas müssen Sie nicht geben, denn die Ankerwinde ist stark genug, um beim Aufholen der Kette das gesamte Boot „mitzuziehen“. An besonders heißen Tagen sollten Sie – ähnlich wie bei der Benutzung des Bugstrahlruders – nicht die komplette Kettenlänge durchgehend aufholen. Gönnen Sie der Ankerwinde alle 5-10 Meter eine kleine „Abkühlungs-Pause“.
Sobald der Anker an der Wasseroberfläche ist, heißt es vorsichtig sein! Denn schon mäßiges Auf und Ab des Bootes in der Welle kann den Anker so ins Schwingen bringen, dass er gegen den Bug Ihres Bootes stößt – das gibt mitunter hässliche und tiefe Beschädigungen. Im richtigen Moment wird der Anker dann komplett aufgeholt. Das Boot ist nun frei, Sie können den Ankerplatz verlassen.
Ein Tipp noch: Wenn der Anker oben ist, sichern Sie die Kette mit einer „Ankerklaue“ und lösen etwas die Spannung, die auf der Ankerwinde liegt. Das schützt die Winsch vor dauerhafter Belastung und Beschädigungen. Auch wenn es nicht unbedingt notwendig ist, sollten Sie einen übermäßig verdreckten, verkrauteten oder verschlammten Anker (und auch die Kette!) im nächsten Hafen mit Frischwasser reinigen: Das hält Ihre Ausrüstung sauber und bereit für den nächsten Einsatz.
So oder so: Prüfen Sie immer die aktuellen Karten, Seezeichen in der Nähe und natürlich ganz besonders das Wetter beim Ankern. Bei Föhn, starkem Ostwind und Gewittern sollten Sie nicht ankern und/oder den Ankerplatz schleunigst verlassen!
Welche Anker-Typen eignen sich am besten für den Bodensee?
Beim Kauf einer Segelyacht beraten wir Sie bei BODAN YACHTHANDEL selbstverständlich auch auf das passende Ankergeschirr. Wie bereits erwähnt kommen alle OCEANIS-Yachten bei uns standardmäßig mit dem DELTA-Anker und ausreichend Kette, die bei uns verzinkt ist. Falls Sie andere Anker-Arten bevorzugen, können wir das für Sie arrangieren: Am lehmigen Bodensee-Grund halten Pflug-Anker (wie der DELTA) aber auch Bügel-Anker am besten.
Wer es ganz „exklusiv“ möchte, der kann von den verzinkten Ketten und Ankern auf Edelstahl umsteigen: Edelstahl-Ketten können grundsätzlich „eine Nummer kleiner“ und damit leichter ausgelegt werden, moderne Edelstahl-Anker, wie der ULTRA beispielsweise, sind so haltestark, dass man auch hier eine Nummer kleiner wählen kann. Und diese glänzenden Ausrüstungsteile sind dann auch ein echter Hingucker im Hafen …
Natürlich können auch Eigner einer FIRST ankern: Bei den kleinen FIRST 18 SE, 24 SE oder bei der FIRST 27 SE gibt es „Ankerpakete“ in der Optionsliste. Das sind effiziente Klapp-Anker mit Bleileine und Ankerleine ohne Kettenvorlauf. Diese kommen in einer schicken Tasche und werden „von Hand“ benutzt. Vor allem beim Einbringen und Herausholen des Ankers sollten Sie hier gut aufpassen, nicht den Bug zu beschädigen. Wenn Sie öfter ankern wollen, empfehlen wir zudem 5 bis 10 m Kettenvorlauf aufzustecken, damit Sie noch etwas mehr Masse im Wasser haben.
Die großen FIRST, also 30 und 36 können mit normalen Ankern am Bugspriet ausgestattet werden.
Dürfen wir Sie auf dem Weg zum Bodensee-Skipper begleiten?
Wenn Sie nun Lust bekommen haben, den Bodensee mit Ihrem eigenen Boot zu entdecken und die Ankergründe zu testen, lassen Sie uns die passende BENETEAU für Sie finden. Wir sind die offiziellen Händler für die Segelboote und Segelyachten des französischen Weltmarktführers BENETEAU hier am Bodensee. Gern finden wir in einem ersten, unverbindlichen Gespräch heraus, was Ihre Wünsche, Bedürfnisse und Anforderungen sind – und suchen gemeinsam mit Ihnen die passende Yacht in genau der Ausstattung, die Sie sich vorstellen.
Vereinbaren Sie bitte gern ein telefonisches Beratungsgespräch oder ein Video-Meeting mit unseren Yacht-Beratern, oder einen Termin direkt vor Ort bei uns in Kressbronn im Boden-Hafen. Wir freuen uns auf Sie!
