Was tut BENETEAU für den Erhalt der Umwelt?
Wer segelt, der hat grundsätzlich ein eher achtsameres Verhältnis zu der Natur, die ihn umgibt. Die meisten unserer Kunden, aber auch die Masse der Segelboot-Besitzer in unserem persönlichen Umfeld, schätzen den „grünen“ Ansatz, der hinter dem Segeln steht: Kostenfrei verfügbarer Wind treibt das Boot absolut emissionsfrei und ohne schädliche Einwirkungen voran. Das alles noch dazu ohne Geräuschbelästigung und daher umweltverträglich. Nun, das ist natürlich richtig, aber eine stark idealisierte und vereinfachte Sichtweise. Denn in der Realität ist auch ein Segelboot selbstverständlich nicht „klimaneutral“ unterwegs.
Wir wollen in diesem Artikel ganz objektiv und ehrlich auf diese Thematik schauen. Es geht nicht um das Schönreden, schon gar nicht um „Greenwashing“, sondern darum, Sie dafür zu sensibilisieren, was der Preis Ihrer Freizeit ist und wie auch eine Segelyacht selbstverständlich einen Abdruck hinterlässt. Wir wollen aber auch aufzeigen, was unsere Werft BENETEAU unternimmt, um diesen Abdruck stetig wirksam zu verringern und was Sie als Eigner tun können, die Ökobilanz Ihrer Yacht zu verbessern. Denn eines, das steht fest: Sie sollen und dürfen Spaß haben und Ihre Freizeit genießen!
GfK-Yachten sind aus Plastik …
Fangen wir beim Bau des Bootes an. GfK, also „glasfaserverstärkter Kunststoff“, ist grundsätzlich das Baumaterial aus dem unsere Segelboote hergestellt werden. Dieser sehr lange haltbare, sichere und wertvolle Werkstoff besteht aus Glasfaser-Matten, die mittels eines Harzes gehärtet werden. Dies geschieht in einer Bauform. Am Ende werden so auf unterschiedliche Art und Weise die einzelnen Teile wie Rumpf, Deck, aber auch Backkistendeckel und so weiter hergestellt. Eine Yacht aus GfK, also aus „Plastik“ im weitesten Sinne, besteht also aus Erdöl.
BENETEAU verwendet neben Polyester auch Vinylester und Epoxid-Harze. Die Glasfaser-Matten und Gelegen sind ebenfalls PVC-Derivate. Ohne Erdöl geht es also nicht. Da dieser Rohstoff sehr wertvoll ist, wird bei der Produktion gramm- und millilitergenau abgemessen, damit nichts verschwendet wird. Dennoch entsteht natürlich Müll bei der Bootsproduktion: Und das nicht wenig! Bei einem in der hochwertigen Vakuum-Infusion gefertigten Deck beispielsweise sind das viele Dutzende Quadratmeter an Single-Use-Plastic. Denn die in diesen Fotos zu sehenden Abdeckfolien, unter denen das Vakuum entsteht, welches das Harz-Matten-Gelege aushärten lässt, kann nur einmal verwendet werden.
Übrigens, andere Materialien für den Bau von Yachten haben natürlich auch ihren „Preis“: Das Holz für die schicken Holzyachten etwa wird ebenfalls in Epoxidharz getränkt oder anderweitig, beispielsweise thermisch-chemisch, behandelt, um fester und haltbarer zu werden. Und wie energie-intensiv die Herstellung von Aluminium, zum Beispiel für Explorer-Yachten, ist, müssen wir nicht näher erklären: Jedwedes Produkt braucht Rohstoffe und viel Energie um hergestellt zu werden. Und natürlich fällt hier immer auch Müll an.
Verantwortung beim Umgang mit wertvollen Rohstoffen
Was tut BENETEAU nun konkret, um Ressourcen-, Energieverbrauch und auch die Müllproduktion einzudämmen? Wie jedes andere Industrieunternehmen in der EU auch unterliegt BENETEAU den Klima-Gesetzen, welche u.A. festschreiben, dass bis 2030 eine weitgehende CO2-Emmissionsfreiheit hergestellt sein muss. Der Konzern nähert sich mit vielen Projekten diesem Ziel. Konkretes Beispiel? Bleiben wir bei der Vakuum-Infusion, denn hier sieht man es sehr schön.
Eine Yacht, die mittels Vakuum-Infusion hergestellt ist, verbraucht zunächst grundsätzlich weniger Material. Es ist also ressourcenschonender. Zudem werden die Boote leichter bei gleicher Festigkeit, wie ein handlaminiertes Schiff. Damit muss am Ende weniger Energie aufgewandt werden, das Boot anzutreiben. Sie segeln also auch noch flinker. Es macht also Sinn, an diesem Verfahren festzuhalten und es weiterzuentwickeln. Doch beim Vakuum-Infusions-Prozess braucht es eben eine Folie, unter der das Vakuum in der Laminationsform erzeugt werden kann. BENETEAU forscht im aktiven Bauprozess an Silikon-Formen, die Sie hier in den Fotos erkennen können.
Eine solche Form, ähnlich der Kuchenform daheim, schließt ebenfalls das Vakuum sicher ein, kann aber mehrere Dutzend male wiederverwendet werden! In der Werft werden schon seit Jahren vor allem Kleinteile, wie Backkistendeckel oder Ankerkästen, so hergestellt. Die Werft vergrößert peu-a-peu die Formen und sammelt so Erfahrungen auch mit komplexeren Formen und größeren Bauteilen. Die Vision ist, dass so über die Zeit eine Umstellung auf eine möglichst abfallfreie Vakuum-Produktion auch für Decks und Rümpfe möglich wird. Und das würde Tonnen an Plastikmüll einsparen!
Den Fußabdruck verbessern
Auch nach dem Bau eines Bootes wird natürlich auf das Umweltkonto eingezahlt: Die allermeisten Yachten müssen per Schwerlast-LKW in die Reviere gebracht werden. Wir empfehlen unseren Kunden, die ein größeres Boot im Mittelmeer haben wollen, grundsätzlich die Überführung unter Segeln – ein unvergessliches Abenteuer sowieso und zudem viel umweltschonender, als per Truck durch Europa zu fahren. An den Bodensee können Sie natürlich nicht segeln, daher ist ein Straßentransport unvermeidbar. Hier planen unsere Transporteure kraftstoffsparende Routen und fahren antizyklisch (zum Beispiel nachts), um den Dieselverbrauch niedrig zu halten. Auch hier kommt eine Menge Einsparpotenzial zusammen!
Ein großes Thema bei der Müllvermeidung auf Yachttransporten ist die Schutzfolie. Um ehrlich zu sein, hier gibt es so etwas wie eine „Hassliebe“, denn es geht nicht ohne – und mit ihr wird einfach eine Menge Müll produziert. Denn auch die Transportschutzfolie, in welche Ihre nagelneue Yacht eingewickelt ist, gehört zum „single use“-Plastik und kann nicht wiederverwendet werden. „Schlimmer“ noch: Damit die Folie den oftmals viele hundert Kilometer langen Weg überlebt, sich nicht löst und auch nicht flattert (was Kratzer am Rumpf erzeugt), muss sie mit Gasbrennern erhitzt und an den Rumpf angeschrumpft werden. Hier wird eine Menge Energie benötigt.
Man muss es einfach ehrlich und schonungslos so sagen: Wer möchte, dass das wertvolle und neue Boot vor Steinschlag oder den Ästen von Alee-Bäumen geschützt bleibt, der hat keine andere Wahl! Sicher, es gibt eine Handvoll kleinerer Werften, welche Stoff-Persenninge nutzen, die dann wieder zur Werft zurück kommen für die nächsten Boote. Das wäre bei BENETEAU aber nicht machbar: Über 30 verschiedene Bootstypen und knapp 2.000 Neuboote pro Jahr – die Kosten wären immens hoch. Und ganz ehrlich: Der Kostendruck von den Kunden ist so groß, dass man damit fernab der Realität des Marktes operieren würde. Umweltschutz ist gut und schön, er muss aber für Sie bezahlbar bleiben!
Dennoch forscht auch hier die R&D-Abteilung von BENETEAU: Denn wenn man den Energieverbrauch beim Anschrumpfen senken könnte und ein Material finden würde, das recyclingfähig wäre, dann hätte man wieder einen Riesenschritt gemacht! Doch nicht um jeden Preis: Transportfolien müssen unheimlichen thermischen und mechanischen Belastungen standhalten können. Sie müssen eine gewisse Dicke haben, um Steinschlag abzuweisen oder harten Dornen standzuhalten: Ein ähnliches Problem wie bei Recycling WC-Papier. Recycling ist gut und schön, aber zu erst muss der eigentliche Zweck erfüllt sein.
Ist ein Teakdeck noch zeitgemäß?
Ein weiteres großes Thema ist das Holzdeck. Bei BENETEAU-Segelyachten sind Echtholz-Belege auf den Cockpitbänken und den Steuermanns-Sitzen serienmäßig auf den Booten installiert. Wir empfehlen, mindestens das Boots-Cockpit ebenfalls mit Holz zu bestellen, da dies nicht nur schön aussieht, sondern gerade bei Nässe und Lage sehr rutschfest und damit sicher für Sie und Ihre Gäste ist. Wer die Laufdecks und den Bug noch mit Holz haben möchte, hat ab der OCEANIS 34.1 diese Option. Doch: Sind Teak und Echtholz an Bord überhaupt noch zeitgemäß?
Wenn Sie uns fragen: Ja! Holz ist ein Naturstoff und daher besonders angenehm im Look & Feel. Nichts ist schöner, als das Barfuß-Gefühl auf einem Holzdeck! Doch Sie haben Recht: Teak ist out. Allerdings nicht aus Umweltgründen, sondern aus politischen. Das gute, lang und dicht gewachsene Bootsbau-Teak aus Burma kommt zwar aus dem Wald, aber nicht (!) aus einem Urwald, wie manche falscherweise annehmen. In Burma wurden schon seit den Engländern Teakwälder in Forstwirtschaft betrieben. Es sind natürliche Wälder – keine Plantagen – in denen die Bäume ca. 40 Jahre wachsen, bevor sie abgeholzt wurden. Es wird also kein Urwald gerodet! Dennoch, durch die gewalttätige Militärdiktatur Burmas ist Bootsbauteak in der EU seit vielen Jahren verboten. Was also nun tun?
Nach vielen Jahren der aktiven Materialforschung hat BENETEAU 2022 das Iroko-Deck eingeführt. Iroko ist ein Baum aus Afrika. Sein Holz hat identische Eigenschaften, wie der asiatische Bruderbaum Teak, daher wird Iroko auch „African Teak“ genannt. Auch hier kommt der Rohstoff aus FSC-zertifizierten Fortbetrieben, nicht aus dem Urwald und auch nicht aus Plantagen. Die ersten Verarbeitungsschritte, das ist BENETEAU sehr wichtig, geschehen noch in Afrika, damit die lokale Wirtschaft gestärkt wird. Iroko kann nicht – und das war lange der Grund, warum es nicht so recht im Bootsbau ankommen wollte – als massiver Stab verarbeitet werden. Es würde sich verbiegen und aufwellen. Unbrauchbar auf einem Deck!
Bei uns werden ca. 1 mm starke Iroko-Furniere so aufgeleimt, dass die Faserrichtungen sich immer überkreuzen. So entstehen verwindungssteife, massive Stäbe, aus denen dann das Echtholz-Deck für Ihre Yacht gebaut wird. Für viele Jahre unter Extrembedingungen getestet, seit vielen Jahren auf tausenden Booten weltweit im Einsatz: Iroko hat sich als Holzbelag für Yachten bewährt! So können Sie guten Gewissens ein Holzdeck bei BENETEAU bestellen – es wird kein Urwald gerodet und keine Diktatur unterstützt. Selbstverständlich bietet BODAN YACHTHANDEL auch an, Ihre Yacht mit einem anderen Deckmaterial auszustatten: Vom nachhaltigen Kork bis zu den verschiedenen synthetischen Decksbelägen. Wobei wir bei denen ja wieder beim Erdöl wären …
Mit gutem Gewissen eine BENETEAU segeln!
Sie sehen, ganz ohne Emission, Müll und Ressourcenverbrauch geht es halt nicht! Wichtig ist, dass wir dies bewusst tun, die Produkte möglichst gut pflegen um sie lange zu nutzen und möglichst viel recyclen. Wer sich eine OCEANIS YACHT 60 bestellt, der bekommt diese beispielsweise bei BENETEAU komplett aus Elium-Harz gefertigt. Das ist das erste GfK-Harz, das wiederverwertbar ist! Damit baut BENETEAU die weltweit erste recyclingfähige Segelyacht – und hoffentlich bald auch kleiner, als 60 Fuß. Heute schon Fakt: BENETEAU verwendet für nicht-belastete GfK-Formteile Naturfasern anstelle Glasfiber. Das spart jährlich Erdöl mit dem Gewicht von ca. 200 Booten ein!
Guten Gewissens segeln: Es ist eine Balance, zugegeben. Allzu grüne Träumereien mögen schön sein, sind aber Fantasiegebilde. Denn auch unsere voll-elektrischen OCEANIS-Boote benötigen Ressourcen, wie Lithium oder sind voller Schwermetalle. Wir möchten Sie ermutigen, durchaus den Abdruck, den Ihre Yacht, Ihr Freizeitverhalten und Ihr Luxus hinterlassen, zu hinterfragen. Wo gibt es Einsparpotenzial? Wo können wir uns mäßigen, wo Sie? Es sind richtige und wichtige Fragen, die BENETEAU und wir aktiv und selbstverständlich angehen. Und wie Sie in diesem Artikel gesehen haben, ist es ein komplexes und sehr weites Feld. Es sind oft die kleinen Schritte, die nicht so medienwirksam daherkommen, die in der Masse Großes bewirken. In diesem Sinne: Segeln Sie bewusst. Segeln Sie mit BENETEAU.
